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„Sine Gloria, sine Credo“ ?:Reparatur der Bamberger Domorgel im 19. Jahrhundert

AEB Rep. 2 Nr. 2313/9 Voranschlag 24.02.1849 (Rückseite)
Datum:
Veröffentlicht: 14.4.26
Von:
Harald Nehr

Das abgebildete Blatt ist der Schluss eines Voranschlags zur Reparatur der Bamberger Domorgel, unterzeichnet am 24. Februar 1849. Wie im Brennglas bündeln sich hier anekdotisch Geschichte und Geschichten des Bamberger Orgelbaus im vorletzten Jahrhundert.

Erst 1846 war ein grundlegender Umbau der Bamberger Domorgel durch Heinrich Friedrich Berger de la Rivoire vollendet worden. Der pensionierte Chorrektor Andreas Fortner hatte sich vehement und wortreich als Gutachter dafür ausgesprochen, dass der junge, in der Fachwelt unbekannte Berger diesen Umbau vornehmen solle. Bergers einnehmende und umtriebige Persönlichkeit brachte ihm in Bamberg mehrere begeisterte Fürsprecher ein, aber auch erbitterte Kritiker.

Deren Kritik war nicht unbegründet, denn Bergers Umbau wies schon nach wenigen Jahren schwere Mängel auf, die nun von Friedrich Bütow, Geschäftsführer der Bamberger Orgelbauerwitwe Bischof, behoben werden sollten.

Domorganist Bader bekräftigte unter dem Voranschlag in einer kurzen Stellungnahme, dass diese Reparatur „sehr notwendig“ sei und die beschriebenen Fehler eigentlich von Berger selbst hätten behoben werden sollen. Was nicht auf dem Blatt steht: Berger war wenige Monate zuvor bei Nacht und Nebel nach Amerika verschwunden. Zurückgelassen hatte er mehrere schlecht reparierte Orgeln, nicht unbeträchtliche Schulden und zahlreiche Gläubiger.

Der pensionierte Chorrektor Fortner hielt selbst jetzt noch zu „seinem“ Orgelbauer. Sarkastisch vermerkte er unter Baders Stellungnahme:

„Obiger Voranschlag von F. Bütow ist wie eine Seelmesse: Sine Gloria, sine Credo.“

Der nach Ansicht von Fortner wohl zu schlicht verfasste Voranschlag blieb unausgeführt. Bütow würde bald nach Pommern, in seine Heimat, zurückkehren. Die Witwe Bischof aber würde gut ein Jahr später den schwäbischen Orgelbauergesellen Joseph Wiedemann heiraten. Er sollte der erfolgreichste Bamberger Orgelbauer des 19. Jahrhunderts werden.

Im soeben erschienenen 11. Band der Studien zur Bamberger Bistumsgeschichte (Harald Nehr: Die Bamberger Orgelbauer des 19. Jahrhunderts) sind die Geschichte der Werkstätten Bischof und Wiedemann nachzulesen – aber auch Heinrich Friedrich Bergers Schicksal in Amerika: als Orgelbauer, als Posthalter … und als Manager seiner sechs singenden und musizierenden Kinder.

Archivalie:

AEB Rep. 2 Nr. 2313/9

Literatur:

Harald Nehr: Die Bamberger Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Lebensbilder und Werke (= Studien zur Bamberger Bistumsgeschichte, Bd. 11). Petersberg 2026.

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