Vor 50 Jahren: P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo werden in Brasilien ermordet:Der letzte Brief von Rudolf Lunkenbein an seine Familie in Döringstadt


Letzter Brief von P. Lunkenbein an seine Familie, 18. Mai 1976.
Schon bei seinem letzten Besuch in Deutschland 1974 hatte P. Lunkenbein von drohenden Auseinandersetzungen mit den Farmern gesprochen. Als 1976 das Land der Bororos vermessen werden sollte und die Farmer zum Verlassen der Territorien aufgefordert wurden, drohte die Situation zu eskalieren. P. Lunkenbein war sich der Gefahr bewusst. Er schrieb: „In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schuessen kommt, einige haben schon gedroht. Es wird also noch ein sehr schwieriges Jahr fuer uns werden, aber wir stehen ja in Gottes Hand und tun alles, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.“ Fast auf den Tag genau zwei Monate später beendeten tödliche Schüsse sein junges Leben.
Rudolf Lunkenbein (1939-1976)
Rudolf Lunkenbein wurde am 01. April 1939 in Döringstadt (Lkr. Lichtenfels) geboren. Seit seinem 14. Lebensjahr besuchte er das Gymnasium der Salesianer in Buxheim bei Memmingen und begann nach dem Schulabschluss 1958 das Noviziat bei den Salesianerpatres nördlich von São Paulo in Brasilien. Er studierte Philosophie und absolvierte ab Februar 1963 ein zweijähriges Praktikum in der Missionsstation von Meruri im Bundesstaat Mato Grosso. 1965 kehrte er nach Deutschland zurück, beendete das Theologie-Studium und wurde 1969 zum Priester geweiht. Danach nahm P. Lunkenbein seine Arbeit in Meruri wieder auf. Die Lebensräume der Bororos waren durch die illegalen Landnahmen stark eingeschränkt. Viele Indigene hatten die Zukunft aufgegeben und entschieden sich, keine Kinder mehr zu kriegen. Rudolf Lunkenbein aber setzte sich für ihre Rechte ein, sorgte für Strom, landwirtschaftliche Fortschritte und neue Perspektiven. Der Lebenswille der Bororos wuchs und die Geburtenrate stieg wieder an. Er respektierte ihre Traditionen und versuchte diese im christlichen Glauben zu integrieren. Dass seine Vermittlungsarbeit zwischen den Großgrundbesitzern und den Indigenen auch gefährlich werden kann, wusste er. Aber er hoffte „wir stehen ja immer in Gottes Hand und tun alles um Ungerechtigkeiten zu vermeiden“.
Simão Cristino Koge Kudugodu (1937-1976)
Simão Cristino Koge Kudugodu wurde am 28. Oktober 1937 in Meruri geboren. Nach der Grundschule arbeitete er zunächst als Diamantenschürfer und begleitete dann ab 1957 eine Gruppe von Missionaren. Er beteiligte sich am Bau der ersten Ziegelhäuser für die Bororo-Familien, war Helfer im Alltag der Bororo-Gemeinschaft und engagierte sich in der Mission. Simão war einer der engsten Vertrauten von P. Rudolf Lunkenbein.
Seligsprechungsprozess läuft seit 2018
Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo kämpften für den Erhalt von Land und Kultur des Bororo-Volkes im brasilianischen Amazonasgebiet – und gegen Ausgrenzung und die Zerstörung der wichtigsten Lebensgrundlagen durch Großgrundbesitzer. Anlässlich des 40. Todestages der beiden Glaubenszeugen wurden am 15. Juli 2016 konkrete Schritte zu ihrer Seligsprechung eingeleitet. Es wurden viele Zeugen befragt, Dokumente studiert und Kommissionen beauftragt. Am 31. Januar 2020 wurden die Arbeiten in Brasilien abgeschlossen und die Unterlagen in den Vatikan nach Rom gegeben. Im November 2025 äußerte sich das zuständige vatikanische Dikasterium positiv. Ob es zu einer Seligsprechung kommt, ist offen.
Das Leitwort 2026 für das Erzbistum Bamberg „Du bewegst die Welt“ wurde auch in Erinnerung an Pater Rudolf Lunkenbein gewählt. Hier können Sie sich über die Projekte informieren: https://dubewegstdiewelt.de/
Die Salesianer Don Boscos erinnern auf ihrer Homepage ausführlich an Leben und Wirken von Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo: Rudolf Lunkenbein – Leben, Wirken und Seligsprechungsverfahren des Don Bosco Missionars . Unter dem Gesichtspunkt „Mission neu verstehen“ stellen verschiedene Personen neue Perspektiven der Missionsarbeit vor, die P. Lunkenbein bereits umgesetzt hat. Interessant ist auch der Beitrag „Sprache bewusst gestalten“, der hilft, eine respektvolle Sprache im Umgang mit indigenen Gemeinschaften zu finden.
Archivalien
- Letzter Brief von P. Lunkenbein an seine Familie, 18. Mai 1976, AEB, Rep. 70 NL 106 Nr. 11.
- Portrait von Rudolf Lunkenbein, um 1970, AEB, Rep. 70 NL 106 Nr. 69.
- Gründonnerstagsfeier in der Kapelle in Meruri, um 1972, AEB, Rep. 70 NL 106 Nr. 67.
- Urkunde der FUNAI, 1977, AEB, Rep. 70 NL 106 Nr. 28.
Literatur
- Röhrig, Hans-Günter: Lasst uns leben: Ermordet - für die Rechte der Indianer. Wirken und Tod von P. Rudolf Lunkenbein. Bamberg 1978.
- Grünner, Josef: Er Lebte, was er predigte: P. Rudolf Lunkenbein SDB: Ermordet - für die Rechte der Indianer: Lebensbild eines heutigen Salesianermissionars. Benediktbeuern 2019.
- Grünner, Josef: Mit Entschiedenheit, Mut und Hoffnung: P. Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo (erscheint im Juli 2026).